Der "Nun-doch" Präsident Wulff
Das Problem des Bundespräsidenten ist nicht ein Kredit, nicht ein Urlaub, nicht seine Freunde, sondern seine Haltung. Beziehungsweise die fehlende Haltung. Das zeigt sich ohne jegliche inhaltliche Auseinandersetzung in dem verschwenderischen Gebrauch der Wendung „…nun doch…“ mit der jede Entscheidung von Herrn Wulff in den Nachrichten erscheint:
Ach wie herrlich eindeutig doch die Sprache sein kann: man muss gar nicht mehr den Thesaurus bemühen, was man noch statt „Wendehals“; „Opportunist“; „Schlaumeier“; „doppelzüngiger Egozentriker“…noch sagen könnte. Wer etwas „nun doch“ tut, der hat zur rechten Zeit mangelnde Ehrlichkeit, Anstand, Respekt, Aufmerksamkeit, Haltung bewiesen. Wer etwas „nun doch“ tut, hat Kurzsichtigkeit, mangelnden Instinkt und strategische Fehler bewiesen. Wer etwas „nun doch“ tut, will seinen Hintern retten, wenn er versagt hat.
Der Charme des Amtes des Bundespräsidenten besteht ja – wie schon Wulffs Vorgänger Herr Köhler missverstanden hat – gerade nicht darin, dass der Amtsinhaber mit besonderer Entscheidungsmacht bezüglich des nationalen Geschickes ausgestattet ist. Im Gegenteil: das einzige, was der Bundespräsident erhält, ist eine gewisse Aufmerksamkeit. Einem Bundespräsidenten hört man zu. Die großen Bundespräsidenten haben diese Aufmerksamkeit genutzt, um die laufenden Debatten mit Besonnenheit, Klugheit, Neutralität und vor allem natürlich mit Haltung zu inspirieren.
Dieser Bundespräsident ist dazu - nun doch - nicht in der Lage.


